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30.03.2020 13:15

Starkes Duo: Stralsund bekommt zweiten Streetworker

Frank Brückner ist jetzt in Grünhufe unterwegs, um dort Jugendlichen zu helfen. Er unterstützt Mathias Trenner.

Ostsee Zeitung Stralsund Lokal 30-03-2020 S. 11

(Stralsund) Endlich Unterstützung. Mathias Trenner ist froh. Seit vielen Jahren ist der 38-Jährige als Streetworker in der aufsuchenden Jugendsozialarbeit für das Kreisdiakonische Werk unterwegs. In erster Linie im Stadtteil Knieper. Nun bekommt er Verstärkung, denn mit Frank Brückner hat ein zweiter Streetworker die Arbeit in der Hansestadt aufgenommen. "Ich werde vor allem für die jungen Leute in Grünhufe da sein", erklärt der 33-Jährige.

Die Vorteile, nun zu zweit unterwegs zu sein, liegen für die beiden auf der Hand. "Wir können mit unserem Angebot einen größeren Teil Stralsunds abdecken und uns dabei immer austauschen", erklärt Mathias Trenner. Sollte es mal einen Schwerpunkt geben, könnte man dort zu zweit aufschlagen. Auch bei der Planung von Veranstaltungen sei es gut, wenn man noch jemanden an der Seite hat.

Zusammenarbeit über Stadtteilgrenzen hinweg

Natürlich werde man über die Stadtteilgrenzen hinaus zusammenarbeiten. "Das ist doch logisch, denn es geht hier um die Jugendlichen", sagt Frank Brückner und Mathias Trenner fügt als Beispiel an, dass er zum Beispiel überhaupt kein Fußball möge, sein Kollege hingegen schon. "Da kann man doch prima voneinander profitieren."

Für Frank Brückner ist die Arbeit in Grünhufe wie ein Nach-Hause-Kommen. "Ich bin gebürtiger Stralsunder und in Knieper West aufgewachsen", verrät er. Nach seiner Ausbildung bei Ostseestaal zog es ihn zunächst für zwölf Jahre zur Bundeswehr. "Dort habe ich dann auch meine Ausbildung zum Erzieher begonnen und abgeschlossen." Er habe während seiner Zeit bei der Bundeswehr, dort war er auch Ausbilder, gemerkt, dass er gut mit Menschen umgehen kann. "Jetzt nach Hause zu kommen und hier einen Job gefunden zu haben, der mir Spaß macht, ist einfach toll."

Kontakt zu Jugendlichen aufbauen

Wenn die beiden über "ihre" Jugendlichen sprechen, dann geht es um junge Menschen zwischen zwölf und 27 Jahren. "Das ist in etwa unsere Zielgruppe", sagt Frank Brückner. Und auch, wenn die Arbeit, ein niedrigschwelliges Kontaktangebot zu schaffen, nahezu die gleiche ist, sind die Ansätze unterschiedlich.

"Da ich gerade im März begonnen habe, muss ich in Grünhufe erst einmal anfangen, Kontakte, Beziehungen und Vertrauen aufzubauen", sagt Frank Brückner. Derzeit sei er eigentlich dabei gewesen, in Grünhufe die Plätze abzulaufen, an denen sich die meisten Jugendlichen treffen und diese dann anzusprechen. Allerdings gebe es in diesem Stadtteil auch viele Bewohner mit einem Migrationshintergrund. "Und diese sind schwerer zu erreichen, nicht nur wegen der sprachlichen Barriere, sondern weil sie oft unter sich bleiben."

Ein Thema, das an Brisanz zunehme, seien Konflikte in den Elternhäusern. "Das betrifft oftmals die Menschen, die aus Syrien zu uns gekommen sind", sagt Frank Brückner. "Wenn vor allem die Mädchen anfangen, einen westlichen Lebensstil zu pflegen, sind Konflikte mit den Eltern programmiert. Diese Zahlen steigen deutlich."

Internationale Jugendliche, ähnliche Probleme

Grundsätzlich seien die Probleme jedoch immer ähnlich, egal ob nun in Knieper oder in Grünhufe. "Kein Platz zum Feiern, keine Ausbildung, kein Geld", fasst Mathias Trenner zusammen. Er schätzt, dass 80 Prozent der jungen Leute, die zu ihm kommen, keine extremen Probleme haben. Und bei den restlichen 20 Prozent seien es vor allem junge Mädchen, die mit Depressionen oder Angststörungen Hilfe suchen. "Da habe ich oft Einzelfallgespräche und versuche zunächst, Kernkompetenzen zu stärken. Ihnen Mut und Selbstwertgefühl zu vermitteln."

Doch an sich sei die Zeit, die jungen Leute auf der Straße anzusprechen, für ihn weniger geworden. "Mein Fokus liegt nun auf dem Netzwerken, dem Organisieren von Veranstaltungen und den Einzelfallgesprächen." Außerdem sei er derzeit noch dabei, das neue Domizil herzurichten, denn mit seinem Büro ist Mathias Trenner ins Bonhoeffer-Haus, Kosegartenweg 13a, gezogen.

Visionen umsetzen, Neues entdecken

"Mein Antrieb für diesen Job sind Visionen", erklärt er mit einem Lachen. "Ich möchte Sachen organisieren, die es noch nicht gab." Er gehe nicht mehr zu den Jugendlichen und sage ihnen, "wenn ihr ein Problem habt, kommt zu mir", sondern viel mehr sage er "wenn ihr eine Idee habt, dann kommt zu mir".

Für Frank Brückner hingegen liegt der Schwerpunkt neben der Kontaktaufnahme zu den Jugendlichen auf der Skateranlage in Grünhufe. "Sie ist zwar beliebter Treffpunkt, aber auch in die Jahre gekommen. Da muss sich einiges tun." Für Mathias Trenner sind solche Hotspots gleichzeitig eine gut Chance. "Sie haben das Potenzial, Verständnis untereinander aufzubauen." Und damit meint er nicht nur unter den Jugendlichen, sondern vor allem auch unter den Generationen. "Da kann man auch einfach mal die Familien mit einladen, um dort gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen."

Dritter Streetworker wäre toll

Für ihre Zukunft haben die beiden viele Ideen und Wünsche. "Am besten wäre es natürlich, wenn wir noch einen dritten Streetworker bekommen würden, der dann für den Bereich Altstadt und Franken zuständig ist. Dadurch würde sich unser Netzwerk noch weiter vergrößern, was am Ende nur Vorteile für die Jugendlichen bringen würde."

Info: Da aktuell keine persönlichen Treffen stattfinden können, werden Sprechzeiten für die Jugendlichen angeboten, wenn sie Probleme besprechen möchten. Werktags von 16 bis 19 Uhr sind beide Streetworker erreichbar. Frank Brückner für die aufsuchende Jugendsozialarbeit in Grünhufe unter Telefon 0173/3880547 und Mathias Trenner für die aufsuchende Jugendsozialarbeit in Knieper unter Telefon 0173/3880520.

Quelle: OSTSEE-ZEITUNG / Miriam Weber

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