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Mein Leben im therapeutischen Wohnen

P. (männlich,18 Jahre) und L. (weiblich, 17 Jahre) leben beide im therapeutischen Wohnen Drammendorf. Phillip ist schon länger Teil des therapeutischen Wohnens und Lara zog erst in diesem Jahr ein. Zwei Sichtweisen auf das Leben im therapeutischen Wohnen.

P. (männlich, 18 Jahre) über seine Erfahrungen

"Ich bin mittlerweile seit 3 ½ Jahren hier. Vor meinem Einzug war ich in der Klinik in Stralsund. Als ich eingezogen bin, hatte ich keine Perspektiven oder eigene Ziele. Ich wurde gut in der WG aufgenommen und hatte deswegen einen guten Start. Ich finde großartig, dass man die Betreuer hier duzen darf, das wirkt harmonischer. Vor meinem Einzug konnte ich mir unter "therapeutischem Wohnen" nichts vorstellen; das hat sich verändert.

Es gibt verschiedenen Therapieeinheiten, Projekte und feste Punkte in der Woche. Dienstags ist z.B. Hausputz, donnerstags Gruppenrunde mit unserem Hauspsychologen, freitags ist Zimmerputz. Hier hatte ich seit langer Zeit wieder einen richtigen Tagesablauf. Anfangs hatte ich dafür keine Ausdauer. Ich hatte keine Lust früh aufzustehen oder meinen Pflichten hier nachzugehen. Ich fiel in alte Muster und fing an mich respektlos den Betreuern gegenüber zu verhalten. Zudem wurde ich rückfällig und konsumierte wieder Drogen. Nach vielen Krisengesprächen wurde dann vereinbart, dass ich 4 Wochen in eine Zwangsbeurlaubung nach Hause gehen sollte und dort verschiedene Aufgaben zu erledigen habe.

Ich habe in den Wochen viel nachgedacht und alle meine Aufgaben erledigt und war schließlich froh die 4 Wochen hinter mich gebracht zu haben. Ich entschied mich zu bleiben und habe es nicht bereut. Mit vielen Aufs und Abs habe ich mittlerweile meine Berufsreife erreicht und auch die Tagesstruktur im Haus ist kein Problem mehr für mich. Ich habe gelernt, dass mir Struktur hilft mich von meiner Sucht abzulenken und zudem habe ich mittlerweile ein sehr gutes Verhältnis zu den Betreuern. Sie hören mir zu und helfen mir, wenn ich allein nicht weiterweiß. Außerdem kann man mit den Betreuern auch viel Lachen - vor Allem auf der jährlichen Ferienfahrt!"

Therapeutisches Wohnen therapeutisches Spiel
Therapeutisches Wohnen Ferienfahrt 2020 Kartbahn
Therapeutisches Wohnen Ferienfahrt 2020 Lagerfeuer
Therapeutisches Wohnen Ferienfahrt 2020 Strand

L. (weiblich, 17 Jahre):

"Ich bin jetzt seit einem halben Jahr hier und es geht mir hier sehr gut. Vorher war ich 13 Jahre lang in einer Pflegefamilie. Dann hat das Jugendamt mich dort rausgeholt und ich kam in den Kinder- und Jugendnotdienst. Dort lernte ich schnell was Freiraum bedeutet. Da ich in meiner Pflegefamilie sehr eingeengt lebte konnte ich mit dem vielen neuen Freiraum nicht umgehen. Zudem verstarb dann plötzlich mein bester Freund, welcher mein letzter Halt gewesen war. Ich war überfordert mit Allem und fing an Alkohol und Drogen zu konsumieren, um meine Sinne zu betäuben. Ich hielt mich nicht an Regeln und war nachts immer unterwegs. Ich kam oft ins Krankenhaus und hatte fast täglich mit der Polizei zu tun. Zudem fing ich wieder an mich selbst zu verletzen und kam schließlich in die Kinder- und Jugendpsychiatrie Stralsund.

Nach meinem Aufenthalt dort kam ich dann in das therapeutische Wohnen Drammendorf. Ich möchte hier lernen mein Leben auf die Reihe zu bekommen und meine Vergangenheit aufzuarbeiten. Ich hoffe, dass ich lerne meine Probleme offen auszusprechen und ich mit meinem selbstverletzenden Verhalten aufhöre. Ich habe hier gelernt, dass ich für meine Ziele auch was tun muss. Wir haben hier eine feste Tagesstruktur und mit den anderen Jugendlichen verstehe ich mich gut. Außerdem haben wir hier tägliche Ämter und Therapieangebote. Die Angebote helfen uns unser Leben besser zu verstehen und auf die Reihe zu bekommen."